Vita
geb. 15.6.1928 in Wien
Position: Prof. emeritus; Leiter des Humanethologischen Filmarchivs der Max-Planck-Gesellschaft in Andechs; Ordentliches Mitglied des Humanwissenschaftlichen Zentrums (HWZ) der Ludwig-Maximilians-Universität; apl. Prof. für Zoologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München; Direktor des Ludwig-Boltzmann-Institutes für Stadtethologie in Wien; bis zu seiner Emeritierung 1996 Leiter der Forschungsstelle für Humanethologie in der Max-Planck-Gesellschaft
Familienstatus: verheiratet seit 1950, zwei erwachsene Kinder
Staatsbürgerschaft: österr.
Eibl-Eibesfeldt arbeitete die ersten zwanzig Jahre seiner wissenschaftlichen Laufbahn als Tierethologe. Er begann seine Forschungsarbeit bereits als Student 1946 auf der Biologischen Station Wilhelminenberg in Wien. Als Konrad Lorenz 1948 aus der Gefangenschaft zurückkam, schloß er sich ihm an und folgte ihm 1951, als er einen Ruf der Max-Planck-Gesellschaft erhielt, nach Deutschland. Schwerpunkte seines Interesses bildeten Fragen der Verhaltensentwicklung und die Kommunikation. Seine Experimente trugen entscheidend zur Klärung des Streits um das Angeborene im Verhalten der Säuger bei. Das Kommunikationsthema schulte ihn in der Methodik des Vergleichens und es erlaubte ihm, als Teilnehmer der beiden Xarifa-Expeditionen von Hans Hass so verschiedenartige Phänomene wie die Turnierkämpfe der Galápagos Meerechsen, die von im entdeckten Putzsymbiosen der Korallenfische und die Zeremonien der Balz und Brutablösung der Fregattvögel und flugunfähigen Kormorane unter einem gemeinsamen theoretischen Aspekt zu studieren. Eibl-Eibesfeldt erarbeitete sich in dieser Zeit die theoretischen Grundlagen der Ethologie und präsentierte diese in dem ersten umfassenden Lehrbuch dieses Faches - einem Grundriß der vergleichenden Verhaltensforschung - der mittlerweile in der 8. Auflage und in mehreren Übersetzungen vorliegt. In die zoologische Phase fällt auch die von ihm initiierte und geführte UNESCO-Expedition zu den Galápagos-Inseln (1957), die zur Gründung einer biologischen Station führte.
In den sechziger Jahren begann Eibl-Eibesfeldt mit dem Aufbau eines kulturenvergleichenden Dokumentationsprogrammes in Film und Ton zur Aufdeckung von Universalien im menschlichen Sozialverhalten. Dazu nahm er mit einer Technik der unobtrusiven Aufnahme das ungestellte Alltagsverhalten und die Rituale von Menschen in traditionellen Kulturen in Afrika, Indonesien, Neuguinea, Polynesien und Südamerika auf. Als Ergebnis dieser Forschungen entwickelte sich die Humanethologie als selbständiger Forschungszweig, der in der Forschungsstelle für Humanethologie der Max-Planck-Gesellschaft gefördert wurde. In einem Grundriß der Humanethologie stellte er das neue Gebiet 1984 vor (4. Auflage 1997).
Nachdem es nun erwiesen ist, daß auch das Wahrnehmen und Handeln des Menschen durch stammesgeschichtliche Vorprogrammierungen entscheidend mitbestimmt werden, gilt seine Forschung nunmehr der Klärung der Frage, wie der Mensch in seinem Bemühen, sich kulturell an die Neuzeit anzupassen, mit diesen ihm angeborenen Vorgaben umgeht. Die stammesgeschichtlichen Anpassungen, die ihn auszeichnen, entwickelten sich ja in jener langen Zeit, in der seine Ahnen als altsteinzeitliche Wildbeuter in individualisierten Kleingesellschaften lebten. Als höchst erfolgreiche Spezies schufen wir uns die anonyme Großgesellschaft, die technische Zivilisation und die Großstadt, und damit eine Umwelt, die uns zwar ungeahnte neue Möglichkeiten eröffnet, zugleich aber auch Probleme beschert, da manche unserer Anlagen nicht zu den neuen Lebensbedingungen passen. Diese Problemanlagen, zu denen unser Kurzzeitdenken ebenso wie unser Machtstreben gehören, gilt es aufzudecken, um mit ihnen umgehen zu können. Damit beschreitet Eibl-Eibesfeldt ein neues Arbeitsgebiet, das interdisziplinäre Zusammenarbeit erfordert. Im Rahmen dieser kulturethologischen Forschungen arbeitet er mit einer Kunsthistorikerin an einer Kunstethologie.
Mit der Erforschung der Anpassungsschwierigkeiten der Großstadtmenschen befaßt sich eine Forschergruppe in dem von ihm in Wien gegründeten Ludwig-Boltzmann-Institut für Stadtethologie. In München bemühte sich eine interdisziplinäre Kommission, der er angehörte, um die Einrichtung eines humanwissenschaftlichen Zentralinstituts mit dem Anliegen, die Kulturwissenschaften mit den biologischen Wissenschaften zusammenzuführen. Das Humanwissenschaftliche Zentralinstitut existiert seit Anfang 1998.
Bereits früh setzte sich Eibl-Eibesfeldt für die Erhaltung der natürlichen Ökosysteme ein. Nach seiner Rückkehr von der Xarifa-Expedition erarbeitete er sich 1955 ein Memorandum für die UNESCO und IUCN mit Vorschlägen zum Schutz der bedrohten Galápagos-Fauna und Flora. Im Auftrag der UNESCO bereiste er die Inseln 1957. Seine Initiative führte zur Gründung der Charles Darwin Station auf den Inseln und zur Einrichtung von Schutzgebieten, die sich bis heute bewähren. Mit der Frage, warum wir Natur lieben und dennoch zerstören beschäftigt sich eines seiner letzten Bücher. Gegenwärtig arbeitet er an seinem dritten Grundriß - einer Kulturethologie.
Ehrenämter und Mitgliedschaften:
1963 korrespondierendes Mitglied der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft
1964 Mitglied des Executive Councils der Charles Darwin Foundation for the Galápagos
1977 Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina
1978 Gründungsmitglied des PEN-Club Liechtenstein
1979 Mitglied der Australian Forensic Society
1986-1993 Präsident der International Society for Human Ethology; seit
1985 korrespondierendes Mitglied der Südwestafrikanischen Wissenschaftlichen Gesellschaft
1987 Fellow of the American Association for the Advancement of Sciences
1988 Mitglied der Polnischen Akademie für Sexualforschung (Academia Scientia Sexuologicae Polonia)
1990 Gründungsmitglied der Academia Scientiarum et Artium Europaea Gründungsmitglied der Konrad-Lorenz- Gesellschaft für Umwelt- und Verhaltenskunde e.V.
1997 Ordentliches Mitglied des Humanwissenschaftlichen Zentrums (HWZ) der Ludwig-Maximilians-Universität
1998 Beiratsmitglied der Heinz Sielmann Stiftung; Ehrenmitglied der Österreichisch-Bayerischen Gesellschaft in München; Mitglied der Deutschland-Stiftung e.V.
sowie Mitgliedschaften in zahlreichen anderen Organisationen wie der Deutschen Zoologischen Gesellschaft, der International Society of Human Ethology und anderen.
Auszeichnungen:
1971 Goldene Bölsche Medaille der Kosmos-Gesellschaft für Verdienste um die Verbreitung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse
1981 Burda-Preis für Kommunikationsforschung
1988 Philip Morris Forschungspreis
1989 Ehrenmedaille in Gold der Stadt Wien
1993 Tauchpionierpreis des Tauchclubs Salzkammergut International
1994 Verleihung der Ehrendoktorwürde für Philosophie der Universität Salamanca, Spanien
1995 Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
1996 Nationalparklibelle in Gold mit Rubinen und Brillianten für außerordentliche Verdienste um den internationalen Naturschutz, verliehen vom Naturhistorischen Museum/Wien und der Nationalpark-Akademie Donauauen/Wien
1996 Schwenk'scher Umweltpreis der Stadt Ebersberg
1997 Goldener Bratspieß der Chaîne des Rôtisseurs Bailliage de Haute-Bavière
1997 Gold-Medaille der Dres. Haackert Stiftung, verliehen für hervorragende Verdienste um die Erforschung des menschlichen Verhaltens
1997 Bayerischer Verdienstorden, verliehen durch den Bayerischen Ministerpräsidenten Herrn Dr. Stoiber.
1997 Jahrespreis der Stiftung für Abendländische Besinnung (STAB) aus Zürich.
1998 Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse
1998 Inge und Werner Grüter-Preis für Wissenschaftpublizistik 1998 für seine Verdienste um die Meeresbiologie und Riffforschung
1999 "Premio Catedra Santiago Grisolía" für die Verdienste um die Erforschung der Ethologie des Menschen und der Aggressivität; Centro Reina Sofía, Valencia, Spanien
1999 "Al mérito", verliehen von der Charles Darwin Foundation, Quito, Ecuador
2001 Ehrenpreis der Heinz Sielmann Stiftung
2001 Große Goldene Peutinger Medaille
2001 Ehrenpreis der Heinz Sielmann Stiftung für den Einsatz für den Naturschutz, vor allem auf den Galápagos-Inseln
2003 Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien
2005 Verleihung der Ehrendoktorwürde für Psychologie der Universität Bologna, Italien